- Meine Schwangerschaft: Zwischen Vorfreude und Unsicherheit
- Die Nacht, die alles veränderte
- Die Tage danach – zwischen Mutterglück und Realitätsverlust
- Mein Weg zurück – seelisch, körperlich, emotional
- Wie ich gelernt habe, mit diesem Thema umzugehen
- Was ich anderen mit auf den Weg geben möchte
Dieser Blogpost ist unter anderem der eigentliche Grund, warum ich „Nicht nur rosa“ ins Leben gerufen habe. Ich habe diesen Beitrag so lange vor mir hergeschoben – aus Angst, einigermaßen verschlossene Wunden wieder aufzureißen.
Vorab also schon mal eine Triggerwarnung – damit keiner mit falschen Erwartungen die nächsten Zeilen liest…Hier geht es gleich um meine wunderschöne Schwangerschaft und wie sie von einem Moment auf den nächsten – mit der Geburt – in einem Alptraum endete.
Meine Schwangerschaft: Zwischen Vorfreude und Unsicherheit
Jede Nacht liege ich im Bett und bin unendlich dankbar, dass es meiner Tochter gut geht. Dass sie und ich noch hier sein dürfen. Dass wir tausend Schutzengel hatten, die in dieser einen Nacht bei uns waren. Und dass wir beide so gekämpft haben. Aufgeben war keine Option. Ob bewusst oder nicht…
Okay, dann wollen wir mal starten. Dafür möchte ich kurz erwähnen, dass ich bereits zwei Fehlgeburten hinter mir habe, wie ihr in meinem letzten Blogpost schon lesen konntet. Darauf möchte ich jetzt nicht weiter eingehen, da das für diesen Beitrag sonst den Rahmen sprengen würde. Lasst uns einfach direkt ins Thema starten, ohne großes Drumherum.
Meine dritte Schwangerschaft war einfach perfekt. So perfekt, dass es mir schon wieder Angst gemacht hat. Ich litt weder an Übelkeit, noch hatte ich sonst irgendwelche typischen Schwangerschaftssymptome. Auch körperlich ging es mir eigentlich zu jedem Zeitpunkt gut. Keine Wassereinlagerungen, kein Bluthochdruck, kein Eiweiß im Urin, der Ultraschall war auch immer in Ordnung.
Doch die Angst, dass während der Schwangerschaft was passieren könnte, war natürlich immer präsent. Vor allem, wenn ich keine Tritte spürte oder es einfach sehr ruhig in meinem Bauch war. Ich glaube, es gab keinen Zeitpunkt, an dem ich keine Angst mehr hatte, dass etwas schiefgehen könnte. Doch ich war dankbar, jeden Tag. Und ich hab jeden Tag gebetet, dass ich dieses Kind auf die Welt bringen werde. Egal wie…

Die Nacht, die alles veränderte
An einem sonnigen, warmen Montag im Mai (ET+5) ging ich mit meiner Mama noch in die Stadt Eis essen. Alles war super. Tolles Wetter. Mir ging es blendend. Abends hatten mein Mann und ich noch einen kleinen Streit. Eigentlich total unnötig. Ich weiß gar nicht mehr, ob wir uns ausgesprochen haben, oder ob wir im Streit ins Bett sind. Zweiteres wäre deutlich schlimmer, wenn man bedenkt, was in den darauffolgenden Stunden passierte.
An dieser Stelle möchte ich auch nur zusammenfassend erzählen, was sich in jener Nacht ereignete. Vieles weiß ich nur aus Erzählungen und kann es nicht mit eigenen Worten wiedergeben.
Gegen 2.30 Uhr von Montag auf Dienstag hatte ich den Blasensprung. Ab da ging es mir von Minute zu Minute schlechter. Erst zwei Stunden später fuhren wir in den Kreißsaal. Wir verließen uns auf die Hebamme, die wir zuvor angerufen hatten. Sie sagte, wir könnten noch bis zum Frühstück warten, wenn keine Wehen einsetzen sollten. Eigentlich war schon der Fehler, dass wir nicht sofort ins Krankenhaus gefahren sind.
Die Wehen haben dann trotzdem ziemlich schnell eingesetzt. Und ich konnte nicht mehr. Dann kam alles zusammen: Bauchschmerzen, Erbrechen, Schüttelfrost. Zu erst dachte ich, dass das vielleicht normal ist. Ich erinnerte mich noch an die Worte meiner Hebamme, dass sich das Baby während der Geburt mit den Füßchen abstößt und dann so sehr gegen den Magen drückt, dass es einem schlecht wird. Aber ich wusste, dass das nicht der Grund für mein Erbrechen sein kann. Die Geburt war zu dem Zeitpunkt noch nicht so weit fortgeschritten, dass das Baby sich schon Richtung Ausgang katapultieren wollte.
Als wir im Kreißsaal ankamen, war die Hebamme alleine. Mit zwei weiteren Schwangeren, die gerade in den Wehen lagen.
Ich hörte ihr Stöhnen und ich wollte mir am liebsten die Ohren zu halten. Ich lag zusammengekrümmt auf dieser Liege und schon da war mein Körper auf Autopilot. Es sind nur ein paar Momente, an die ich mich erinnern kann. Alles andere ist wie zerrissen. Nur noch Erinnerungsfetzen, die ich bis jetzt noch versuche, irgendwie zusammenzusetzen.
Es ist wie ein Puzzle, bei dem manche Teile einfach verschwunden sind. Und ich kann sie nirgends finden.
Ich möchte hier wirklich von niemandem die fachliche Kompetenz anzweifeln. Doch die Hebamme hätte vielleicht gleich von Anfang an erkennen müssen, dass es sich bei mir um eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) handelte.
Es vergingen gefühlt Stunden, bis ein Arzt den Notkaiserschnitt anordnete. Dieser erfolgte unter Vollnarkose, da ich plötzlich einen Krampfanfall (Eklampsie) bekam, als die PDA gesetzt werden sollte. Gleichzeitig entwickelte ich das HELLP-Syndrom, begleitet von Leber- und Nierenversagen, einer gestörten Blutgerinnung und starkem Bluthochdruck.
Das Baby musste raus. So schnell wie möglich.
Mein Mann, der vor dem OP-Saal stand, weil er darauf wartete, zum Kaiserschnitt dazu geholt zu werden, wusste nicht, was da vor sich ging. Erst als jemand mit einem Baby aus dem OP kam, gefolgt von einer Hebamme, die ihn kurz aufklärte, konnte er erahnen, was los war.
Unser Baby musste wiederbelebt und anschließend mit Sauerstoff versorgt werden. Kinder-Intensivstation. Natürlich war mein Mann erstmal bei unserer Kleinen. Erst einige Zeit später erkundigte er sich nach mir. Doch niemand konnte ihm so recht eine Auskunft geben.
Als er hilflos im Krankenhaus herumirrte, kam ihm der Arzt entgegen, der mich operierte. Er konnte ihm nicht sagen, ob ich es schaffen werde oder nicht. Ich lag auf der Intensivstation. Zwei Tage. Ohne mein Kind überhaupt einmal gesehen zu haben.
Dieses Gefühl, das man sich immer vorstellt, wenn man sein Baby auf die Brust gelegt bekommt. Dieser erste Moment, diese Nähe, diese Liebe. All das war für mich überhaupt nicht greifbar.
Auch nachdem ich aus der Narkose aufwachte, war das überhaupt nicht das, woran ich dachte. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was meine ersten Gedanken waren. Die Narkose wirkte ziemlich lange nach und ich glaube, ich konnte sehr lange keinen klaren Gedanken fassen.

Die Tage danach – zwischen Mutterglück und Realitätsverlust
Nach diesen zwei Tagen auf der Intensivstation fuhr mich eine Intensivschwester mit dem Rollstuhl zu meiner Tochter auf die Kinderstation. Da A mich ja nicht „besuchen“ durfte, mussten wir es irgendwie anders regeln. Diesen ersten Moment werde ich nie vergessen: Mein Mann saß da mit dem kleinen Wurm im Arm. Und ich dachte mir nur: Wie wunderschön ist dieses Baby. Aber all das war so anstrengend für mich, dass mir einige Teile meiner Erinnerung fehlen.
Die Ärzte sagten mir natürlich, wie viel Glück ich hatte. Und ich hab sie auch verstanden. Mehr oder weniger. Trotzdem war mir das Ausmaß des Ganzen sehr lange nicht bewusst. Auch zu Hause im Wochenbett habe ich lange gebraucht, bis alles etwas klarer wurde.
Da waren diese unendlichen Schmerzen vom Kaiserschnitt, diese Medikamente gegen den Bluthochdruck, die Thrombosespritzen, die Stillversuche und anschließendes Abpumpen. Und mein Baby, das mich brauchte. Also eigentlich so viel auf einmal, dass ich gar keine Zeit hatte, groß über irgendetwas nachzudenken.
Mein Weg zurück – seelisch, körperlich, emotional
Doch irgendwann holte mich alles ein. Ich stellte meinem Mann Fragen, wenn mir eine Situation eingefallen ist, zu der mir Erinnerungen fehlten. Oder ich vielleicht auch gar nichts mitbekommen habe. Ich wollte dieses Puzzle zusammensetzen, Lücken schließen.
Auch, wenn ich es mir am Anfang nicht eingestehen wollte: Ich brauchte psychische Unterstützung.
Es gab Phasen, in denen ich nur weinen wollte. Ich lag nachts im Bett und habe einfach geweint. Sogar, wenn wir abends Netflix schauten und irgendeine Szene in mir etwas auslöste, was ich mit den Geschehnissen in Verbindung brachte…
Also habe ich mir zu erst „Hilfe“ bei einer Beratungsstelle gesucht. Den ersten Termin hatte ich ungefähr zwei Monate nach der Geburt. Beim zweiten, circa acht Wochen später, ging mein Mann mit. Das brauchte ich irgendwie, damit ich wusste, dass er sich auch öffnen kann. Ich empfinde das so, dass man sich neutralen Personen gegenüber anders öffnet, als vertrauten Personen.
Nach dem zweiten Termin ging es mir erstmal ganz gut.
Doch dann rückte der erste Geburtstag immer näher. Und es hat mich auf einmal alles wieder eingeholt.
Ich versetzte mich immer in diese „vor einem Jahr“-Situation. Es ist ja auch gut, dass ich das nicht unterdrückte. Aber richtig zugelassen habe ich es eben auch nicht. Diese Gefühle, die damit verbunden sind, die Emotionen, der Schmerz.
Also habe ich nochmal bei der Beratungsstelle angerufen. Das war glaube ich zwei Tage vor A’s Geburtstag. Es tat gut, mit der Betreuerin alles erneut aufzuarbeiten. Obwohl viele Tränen geflossen sind und es echt hart für mich war.
Da war immer noch dieser Gedanke, dass meine Tochter und ich es beide fast nicht geschafft hätten. Die Tatsache, dass alles von jetzt auf gleich vorbei sein kann. Ohne Vorwarnung.
Und dass mir das erste Kennenlernen mit meiner Tochter so lange verwehrt blieb. Ich weiß, es ging nicht anders. Aber ich werde nie diesen Moment nachholen können, in dem ich sie sofort nach der Geburt bei mir hatte.
Auf die Empfehlung der Beraterin hin habe ich mir dann professionelle Hilfe bei einer Psychotherapeutin gesucht.
Wie ich gelernt habe, mit diesem Thema umzugehen
Kann ich damit umgehen? Ich weiß es nicht. Ich glaube, zu dem Thema werde ich einen separaten Blogpost schreiben, in dem ich mehr darauf eingehe, wie ich und ob ich dieses Erlebnis verarbeitet habe.
Die Therapie läuft aktuell noch. Zwar mittlerweile in größeren Abständen, aber dank meiner Therapeutin habe ich gerade meine Gefühle gut im Griff, wenn es um dieses Thema geht.
Ich denke auch, dass es einfach an diesem ersten Geburtstag lag, der eine Mama sehr emotional werden lässt – unabhängig davon, wie traumatisch die Geburt und alles drum herum war.
Was ich anderen mit auf den Weg geben möchte
Ich weiß, dass ich bei weitem nicht die Einzige bin, die solch eine traumatische Geburt hinter sich hat. Und ich kann mir vorstellen, dass viele Mamas ihre Gefühle einfach runterschlucken und nicht darüber sprechen wollen. Was ich auch völlig okay finde. Jeder ist anders und jeder geht auf seine Art und Weise mit Emotionen um.
Und es ist keine Schande, sich Unterstützung zu suchen, um mit dem Erlebten besser leben zu können.
Es wird immer eine seelische Narbe zurückbleiben. Doch diese Narbe wird immer mehr verblassen.
Es wird immer wehtun.
Aber es wird besser.
Alles Liebe,



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