
- Gesellschaftliche Erwartungen an Frauen
- Fragen, die nicht harmlos sind
- Was diese Erwartungen mit uns machen
- Meine persönliche Sicht
- Fazit: Mehr Offenheit, weniger Bewertungen
Natürlich bin ich nicht die Erste, die dieses Thema anspricht. Aber ich wurde auch schon einige Male damit konfrontiert. Und jedes Mal frage ich mich aufs Neue: Warum? Warum werden Paare und vor allem Frauen immer wieder diesem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt? Weil es normal ist? Weil es zum Leben dazu gehört? Ja, für manche. Aber eben nicht für alle. Vielen ist nicht bewusst, welche Wunden sie damit aufreißen und welche Emotionen sie auslösen – unbewusst und natürlich ohne böse Absicht. Aber es kann eben auch viel Schaden anrichten.
Gesellschaftliche Erwartungen an Frauen
„Wie lange bist du mit deinem Freund zusammen? Da könnt ihr doch jetzt auch mal ans Kinderkriegen denken…“ – So oder so ähnlich war damals die Frage meiner Kollegin. Das ist bestimmt schon über zehn Jahre her. Ich war 23.
Ich weiß nicht mehr genau, was ich in dem Moment dachte oder sagte, aber ich wusste genau, dass ich damals definitiv noch nicht bereit für Kinder war. Ich war doch selbst noch ein halbes Kind, gerade mit der Ausbildung fertig. Aber es löste nichts in mir aus – keine Wut, kein Unverständnis für diese Frage. Anders als heute.
Ich glaube, sobald Frauen ein gewisses Alter erreichen, fühlt sich die Gesellschaft dazu verpflichtet, „indirekt“ die Lebensplanung voranzutreiben.
3 Jahre als Paar zusammen? Super! Dann steht bestimmt bald die Hochzeit an!
Kaum verheiratet? Ach, toll! Dann kommt ja als nächstes das Baby!
What??? Ernsthaft?
Schon beim Schreiben dieser Zeilen spüre ich einen Hauch Wut in mir aufsteigen.
Ist das euer Ernst?
Wisst ihr, was dieses Paar möglicherweise schon alles durchgemacht hat?
Vielleicht ist es genau das Paar, das sich schon immer ein Kind gewünscht hat – aber es klappt einfach nicht?
Vielleicht möchte sie Kinder, aber er nicht. Oder andersherum.
Oder es hat bereits geklappt, endete aber in einer Fehlgeburt. Oder zwei. So wie bei mir und meinem Mann.
Ich spreche aus Erfahrung und ich weiß, wie weh es tut, wenn man immer und immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert wird.
Ganz ehrlich? Ich verstehe es nicht. Natürlich ist es nicht böse gemeint. Aber es tut verdammt noch mal saumäßig weh. Egal, welchen Weg man als Paar geht. Jeder hat seine eigene Geschichte. Und auch, wenn nicht jeder aus dem Umfeld diese Geschichte kennt:
Manchmal ist es einfach klüger, den Mund zu halten.
Es spielt keine Rolle, ob man als Frau 20 oder 35 ist. Bei den Männern ist es ja scheinbar egal. Die haben „länger Zeit“ und ihre Kameraden sind länger abrufbereit als die Eizellen von uns Frauen.
Die Generation unserer Eltern war teilweise schon verheiratet und schwanger, da waren sie noch nicht mal 20. Da war die Familienplanung mit Mitte 20 schon so gut wie abgeschlossen. Wahrscheinlich können sie diese – ich nenne es mal Gewohnheit – immer noch nicht vollständig ablegen und sich damit abfinden, dass heutzutage Frauen auch mit Mitte oder Ende 30 ihr erstes Kind bekommen können.
Fragen, die nicht harmlos sind
Ein paar Monate vor unserer Hochzeit waren mein Mann und ich auf einer Feier.
Mit einer Bekannten unterhielten wir uns über unseren großen Tag.
Und am Ende sagte sie:
„Na und als nächstes ist dann das Baby dran!“
Diese Worte versetzen mir immer wieder einen Stich ins Herz. Zu dieser Zeit hatte ich bereits 2 Fehlgeburten. Die letzte war gerade mal ungefähr 2 Monate her.
Ich weiß, ich darf nicht erwarten, dass jeder so etwas bedenkt. Aber ein etwas sensiblerer Umgang mit dem Thema wäre doch schon mal ein Anfang. Damit ein vermeintlich harmloser Smalltalk nicht jedes mal mit Emotionen und Zweifeln endet.
Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich vor unseren Verlusten anderen Frauen ähnliche Fragen stellte.
Aber heute gehe ich ganz anders damit um – ich frage überhaupt nicht mehr danach.
Außer natürlich, wenn eine Freundin oder Bekannte das Thema von sich aus anspricht und sich ein Gespräch daraus ergibt.
Aber jemanden, den ich kaum kenne, nach Kindern zu fragen – oder selbst so eine Frage gestellt zu bekommen?
Das vermeide ich.
Ein weiteres Erlebnis: Als ich mit Ende 20 meine zweite Ausbildung machte, kam ein Kollege auf mich zu.
Er meinte, dass ich nach der Ausbildung ja mit der Familienplanung loslegen könne. Was er nicht wusste: zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meine erste Fehlgeburt hinter mir.
Ich nahm ihn danach immer ein bisschen in Schutz und redete mir ein, dass er noch so jung sei und die Tragweite seiner Worte nicht abschätzen könne.
(Er war etwa 10 Jahre jünger als ich.)
Was diese Erwartungen mit uns machen
Mich persönlich haben die Fragen von anderen nie unter Druck gesetzt – auch, weil ich mit Ende 20 nochmal eine Ausbildung machte.
Was das wiederum mit meinen ersten beiden Schwangerschaften zu tun hat, liest du bald in einem separaten Blogpost.
Wenn eine Frau aber weiß, dass die biologische Uhr tickt und wirklich nicht mehr viel Zeit bleibt, um auf natürlichem Weg schwanger zu werden, kann das sehr belastend sein. Zweifel. Angst. Überforderung.
All diese Emotionen treffen aufeinander.
Wie soll denn da noch ohne Stress ein kleines Menschlein entstehen?
Und dann ist da noch dieser Social-Media-Wahnsinn:
Wir sehen das perfekte Familienglück, das eigentlich so gut wie gar nichts mit der Realität zu tun hat.
Ja, es gibt es auch Ausnahmen, die auf ihren Accounts zeigen, wie schwer es wirklich sein kann, schwanger zu werden.
Aber das sind eben nur Ausnahmen.
Pille abgesetzt – zack, schwanger.
Klar geht das. Aber was, wenn dann daraus ein Vergleich mit dem eigenen Körper entsteht? Die Enttäuschung ist riesig, wenn es im eigenen Leben ganz anders abläuft.
Oder das klassische Lebensmodell:
Hochzeit, Hausbau, Kind.
War früher Standard.
Aber heute? Läuft es genau umgekehrt ab. Oder wild durcheinander.
Und das ist völlig okay.
Jedes Paar soll das selbst entscheiden dürfen.
Meine persönliche Sicht
Wie ich mit dieser Frage umgehe?
Gute Frage…und schwer pauschal zu beantworten.
In einzelnen Gesprächen habe bestimmt irgendwann schon mal erwähnt, dass ich Fehlgeburten hatte und erst mal ein bisschen Zeit brauche.
Man könnte denken, nach dem ersten Kind hören diese Fragen auf – aber nein.
Kaum ist das das Baby da, kommt die Frage nach dem Zweiten.
Und da reagiere ich besonders empfindlich – nicht nur, weil die Geburt bei uns extrem traumatisch war (Spoiler: Auch hier wird es einen separaten Blogpost geben).
Wie kommt man denn darauf, ein halbes oder dreiviertel Jahr nach der Geburt, schon nach dem Geschwisterchen zu fragen?
Lasst doch Mama, Papa und Baby sich erst mal richtig kennenlernen, sich eingewöhnen, einen gemeinsamen Alltag erschaffen.
Diese intensive Zeit genießen.
Natürlich gibt es Paare, die gleich nachlegen wollen.
Andere wollen sich bewusst Zeit lassen.
Und dann gibt es auch die Fälle, dass das zweite Kind ungewollt lange auf sich warten lässt. Oder es erst gar nicht dazu kommt.
Mein Wunsch:
Dass solche Fragen nicht einfach so „aus dem Nichts kommen“.
Sondern mit mehr Sensibilität und Rücksicht – oder eben einfach mal gar nicht – gestellt werden.
Es klingt vielleicht einfacher, als es ist.
Aber es ist definitiv machbar.
Fazit: Mehr Offenheit, weniger Bewertungen
Jeder soll für sich entscheiden, wie er mit solchen Fragen umgeht.
Aber es wäre doch schön, wenn wir offener darüber sprechen – und dem Gegenüber in sensiblen Gesprächen den Wind aus den Segeln nehmen.
Vielleicht führt es dazu, dass solche Menschen in Zukunft etwas bewusster und sensibler mit diesem Thema umgehen.
Geht’s dir genauso oder ähnlich?
Lass mir gerne einen Kommentar da oder schreib mir auf Instagram.
Ich freue mich auf den Austausch – vielleicht können wir uns gegenseitig unterstützen.
Alles Liebe,


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